THEMENWEG Stationen

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Hüttwerk
Schrofenhaus / Reitlingerhaus / Museum
Handelsschreiberbehausung / Erharthaus
Rammingerhaus
Stubenvollhaus / Messnerhaus
Pruckmühl / Esterhammerhaus
Pichlgut / Lebnachgut / Neunerhaus
Bouthillierturm
Stöcklschmiede / Kastnerschmiede
Feldschmiede / Sensenwerk
E-Werk Prantl
Jenbacher Brauerei
Märzengut / Simanagl
Pfarrkirche
Zeitkapsel
Schrotergut / Härergut / Nellenberger
Volksschule und Hauptschule
Altes Schulhaus / Marktgemeindeamt
Mühllehen / Grießenböckhaus
Tiergartenmauer

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Hüttwerk

Das Hüttenwerk ist Jenbachs älteste Industrie. Wegen der ständigen Überflutungen durch den Lahnbach wurden die Schwazer Schmelzhütten ab Mitte des 15. Jahrhunderts in großem Stil nach Jenbach verlegt. Wer diese – damals sicher noch im wahrsten Sinne des Wortes – Hütten errichtete, ist nicht gesichert, vermutet wird, dass es Christof Dreyling war. Belegt ist hingegen, dass ab 1522 Jakob Fugger und Hans Stöckl in Jenbach Silber schmelzen ließen. Die Erzbrocken wurden per Schiff nach Jenbach gebracht (1532 förderte man aus dem Erbstollen allein 15.000 Mark Silber und 56.000 Zentner Kupfer!). Auch die in Gossensaß und im Pflerschtal geförderten Erzbrocken kamen nach Jenbach zur Weiterverarbeitung. 300 Leute waren 1526 im Hüttwerk beschäftigt. 1546 waren 5 Schmelzöfen mit 24 Röstöfen und 4 Silbertriebherde in Betrieb. 1565 verbanden sich die Fugger mit Michael Katzbeck, David Haug und anderen zum „Jenbacher Berg- und Schmelzhandel“. Dieser Gesellschaft gehörten auch noch das Nutzungsrecht zahlreicher Waldstücke im Achental – zur Verhüttung wurde Holzkohle gebraucht (im Landreim von 1558 hieß es, dass „12.000 Fuder Holz […] in einem Jahr verbraucht“ wurden). Das langsame Versiegen des Silbersegens in Schwaz und Epidemien in den Jahren 1563 und 1572 forderten ihren Tribut. Lebensmittelknappheit und geringer Lohn trieben die Hüttarbeiter 1623 und 1649 dazu, sich gegen die „Jenbacher Bergherren“ zu erheben. Zur Niederschlagung dieser Aufstände wurde sogar Militär aus Innsbruck zu Hilfe gerufen. Das Nachlassen des Erzabbaues in Schwaz führte schließlich 1659 dazu, dass die Hütte stillgelegt wurde.

Ein Glück für die Jenbacher war, dass man fast zur gleichen Zeit auf der Schwader Spateisenstein entdeckte. 1685 wurde der Betrieb in ein Eisenschmelzwerk umgewandelt und 5 Jahre später waren schon wieder 120 Mann dort beschäftigt. Zeugnis für den Aufschwung gibt ein Buch aus dem Jahr 1769, das Aufschluss über damalige Arbeitsmethoden, -kleidung und Abbildungen der Inneneinrichtung gibt. Im Jahr 1774 verbuchte der „Jenbacher Eisenhandel“ die Verarbeitung von 11.653 Zentner Eisenerz und die Gewinnung von 2.751 Zentnern Roheisen. Bekannte Verwalter – Hüttverweser genannt – waren die Voglsanger (wohnhaft im heute als Bouthillierturm bekannten Gebäude und große Wohltäter der Kirche). 1824 kam Andreas Speckbacher, der Sohn von Freiheitskämpfer Josef, nach Jenbach und arbeitete sich durch Fleiß und Geschicklichkeit vom einfachen Beamten zum Verwalter hoch. Er starb aber schon 1834.

Ab 1839 vergrößert und bekannt als „Franzenshütte“ (Durchreise von Erzherzog Franz nach Tegernsee), machte sich ihr damaliger Verwalter Anton Pacher einen Namen durch seine Fachkompetenz und seine zahlreichen Aufsätze über das Hüttenwesen. In einer Beschreibung von Johann Jakob Staffler aus Südtirol hieß es: „Insbesondere empfiehlt sich der Jenbacher Gußstahl also so ausgezeichnet, dass er selbst dem englischen nicht mehr nachsteht“. Nach Jahren der Blütezeit kam der Niedergang: 1865 wurde der Staat Alleinbesitzer, 1870 wurde es an eine Montangesellschaft verkauft und stand schließlich 1880 und 1881 still.

In diesem Jahr erwarben es die Brüder Theodor und Julius Reitlinger aus Wien, die eine Seilbahn auf die Schwader bauen ließen, damit der dort abgebaute Spateisenstein direkt von dort ins Werk geliefert werden konnte. Während des ersten Weltkrieges wurde auf Kriegsproduktion (Schrapnellhülsen) umgestellt. Nachdem Friedrich Reitlinger am 14. März 1938 unter ungeklärten Umständen ums Leben kam übernahm die Firma Heinkel aus Rostock 1939 die Hüttenwerke. In den Jahren bis 1945 wurde Teile für die V2-Rakete, Panzerketten und Flugzeugteile hergestellt, nach dem Krieg Kochgeschirr, Seilbahnkabinen.

Bildnachweis Tafel: Erich Pirchner

Bild inks: Seilbahnstation im Werksgelände (Erich Pirchner), Bild rechts: Presswerkkamin (Erich Pirchner)

Werkshalle mit Herstellung Granatenhülsen im 1. Weltkrieg (Erich Pirchner)

Schrofenhaus / Reitlingerhaus / Museum

Die Geschichte des Hauses Achenseestraße 21 beginnt mit dem „Schrofenhaus“, so benannt nach dem Bergbaugebiet am „Weißen Schrofen“ oberhalb des Raffl. Vermutlich waren schon die ersten Besitzer Bergleute. Als die Fugger, die mächtigsten Teilhaber am Schwazer Silberbergwerk, 1487 die Schmelzhütten von Schwaz nach Jenbach verlegten, bezogen sie das ehrwürdige Haus und gaben ihm den neuen Namen: „Fuggerhaus“. Nach einer Güterbeschreibung von 1790 zählten zum Haus noch Stall, Stadl, Einfang und Baumgarten.

1880 erwarb Theodor Reitlinger das Anwesen, das seither seinen Namen trägt. 1916 übernahm Friedrich Reitlinger das Haus und baute es nach Plänen von Clemens Holzmeister zu einem Herrensitz aus. Er renovierte das Gebäude, veränderte die Dachkonstruktion zur heutigen Form, ließ einen unterirdischen (heute allerdings nicht mehr begehbaren) Gang zum Werk anlegen und um das ganze Anwesen eine hohe Mauer mit Wehrgang errichten, sodass der Garten nicht mehr einsehbar war. Am 14. März 1938 kamen Friedrich Reitlinger und dessen Tochter Johanna unter ungeklärten Umständen zu Tode.

Mit der Übernahme des Jenbacher Werkes durch Ernst Heinkel, ging auch der Besitz des Reitlingerhauses an den Industriellen.
Im Jahr 1945 übernahm Dr. Friedrich Reitlinger, der Sohn des vorhin genannten Friedrich Reitlinger, das Haus. 1974 verkaufte er es an die Gemeinde, die im Jahr darauf zugunsten der Straßenbegradigung die Mauer abreißen, den Garten öffnen und Parkplätze anlegen ließ. Es entstand sodann ein Wohn-, Büro- und Vereinshaus, das auch als Ausweichquartier für den Kindergarten diente.

1991 begann der Museumsverein in diesem Haus das Jenbacher Museum einzurichten. Inzwischen zeigt das Museum interessante Exponate zur Jenbacher Geschichte, der Geschichte der Sensenindustrie, dem 3-Spurweiten-Verkehrsknotenpunkt Jenbach sowie zum Thema Südtiroler in Jenbach. Außerdem wird eine naturkundliche Sammlung von Schmetterlingen, heimischen Vögeln, Schnecken, Muscheln und Pilzen präsentiert. Exponate zur Geschichte des Wintersports und des Alpinismus ergänzen die Präsentationen.
Jährlich wechselnde Sonderausstellungen zu verschiedensten Themen machen das Museum zu einem lebendigen Jenbacher Treffpunkt.

Bildnachweis Tafel: Oben - Erich Pirchner, Mitte - Erich Pirchner, Unten - Franz Fasser

Schrofenhaus innen unter Friedrich Reitlinger (Erich Pirchner)

Handelsschreiberbehausung / Erharthaus

Auch bekannt unter dem Namen „Kontrollorhaus“ oder in neuerer Zeit „Erharthaus“. Das Erbauungsjahr dieses Hauses ist unbekannt - überliefert ist allerdings, dass hier in der Vergangenheit hohe Verwaltungsbeamte der Schmelzhütte wohnten, so zum Beispiel die Beamtenfamilien Vogelsanger und Eiberger, die der Jenbacher Kirche in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die heute noch erhaltene Monstranz aus Schwazer Silber spendeten. An ihrem Fuß sind ihre Wappen eingearbeitet. Auch sonst waren sie große Wohltäter der Kirche.

Ein weiterer bekannter Leiter des Jenbacher Berg- und Hüttenwerkes, der mit seiner Familie in diesem Haus wohnte, ist Andreas Speckbacher, der »Speckbacher Anderl«, Sohn des berühmten Landesverteidigers Josef Speckbacher.
Schon als elfjähriger Junge nahm er am Tiroler Freiheitskampf teil. Der »Anderl« geriet in bayrische Gefangenschaft - der bayrische König war allerdings vom Mut des Burschen beeindruckt und ließ ihm eine gute Ausbildung zukommen. Schließlich kam er 1817 an die Bergakademie nach Chemnitz und dann zu verschiedenen Berg- und Hüttwerken.
1824 wurde er nach Jenbach versetzt, wo er sich emporarbeitete. Im November 1828 vermählte sich Andreas Speckbacher in Hall mit Fräulein Aloisia Meyr, einer Tochter des Berg- und Salinenrates Michael Meyr. Im Jahre 1831 wurde Andreas Speckbacher zum wirklichen Kontrollor ernannt (mit einem Gehalt von 650 Gulden) und nach dem Tode des Verwalters wurde ihm die Leitung des Berg-, Hütten- und Hammerwerkes in Jenbach übertragen. Doch nicht allzulange konnte er diese leitende Stellung einnehmen und zur Zufriedenheit aller ausüben, nur allzufrüh wurde das glückliche Familienleben mit zwei Töchtern zerstört. Zu Anfang des Jahres 1834 erkrankte er und schon am 25. März desselben Jahres starb er in Hall an einem Lungenleiden.
In einem Nachruf heißt es: »Zu früh für den Staat, zu früh für den markantilen Betrieb des Eisenwerkes, das unter seiner Leitung so sehr gehoben wurde, zu früh für seine aus einer Gattin und zwei Töchtern bestehende Familie, zu früh für seine Mitbeamten und Bekannten, die den historisch merkwürdigen Abkömmling auch wegen seines Charakters, seiner Treue, seines Dankgefühles, Geschicklichkeit und Verträglichkeit hochgeschätzten und mit Wehmut zu Grabe geleiteten.«

Das Kontrollhaus wurde 1903 umgebaut - das Dach wurde gehoben und der 2. Stock aufgesetzt.
1910 war das Dach noch mit Schindeln gedeckt.
Weitere Besitzer dieses Hauses waren 1880 J. u. T. Reitlinger, 1916 Friedrich Reitlinger, 1938 Prof. Ernst Heinkel, 1945 Dr. Friedrich F. Reitlinger, danach folgte Dr. Rudolf Erhart.

Bildnachweis Tafel: Oben - Franz Fasser

Rammingerhaus

Dieses Haus war vor 400 Jahren im Besitz der Wirtstochter Ursula Mallin, verehelichte Obholzer. Diese vermachte es um 1590 ihrem Sohn Hans Obholzer, der es 1627 im Tauschweg an Michael Guetfelder veräußerte. Ihm folgte als Besitzer der Inhaber des Nachbarhauses Samuel Guetfelder. Nach seinem Tod erbten seine Kinder das Haus, Sohn Christof, Metzgermeister, und Tochter Susanna. Letztere wurde die Frau des Krämers Johann Pacher.

Im Rottenburger Verfachbuch ist die Gewerbeverleihung vom 11.1. und 12.2. 1695 aufgezeichnet. In dieser heißt es unter anderem, dass dem Johann Pacher gestattet wird, „ein Gewerb und Krämerei anzufangen und zu treiben. Er wird für einen Untertan, Handelsmann und Krämer aufgenommen und darf in seinem Guetfelderischen Laden als auch sonst in der Herrschaft Rottenburg zu Kirchtag und Marktzeiten die führenden Waren öffentlich feilbieten. Er darf aber nicht mit ungleichen Ellen und Gewicht beschweren und keine fremden Träger und Krämer anstellen“.
Nachdem Pacher auch noch den zweiten Hausanteil von den Kindern des Christof Guetfelder an sich gebracht hatte, ging er an den Umbau und an die Vergrößerung seines Hauses. Dass auch das Geschäft sehr gut ging, ersieht man aus der Aufzeichnung über die Übergabe des Besitzes an seinen Sohn Anton Pacher im Jahr 1733. Darin heißt es, dass sich Johann Pacher zur Übergabe gezwungen sehe, damit das „Geschäft im alten Flor bleibe und weil er den weitschichtigen Korrespondenzen nicht mehr nachkommen könne.“ Zum Besitz gehörte damals die „neu zu- und angebaute Behausung“ mit Stall, Stadel und Garten, sowie ein Gut in Zell am Ziller mit einem „Saliterwerk“.

Der Erbe Anton starb jedoch 1741 mit nur 34 Jahren. Er hinterließ zwei unmündige Kinder, bis zu deren Volljährigkeit die Witwe Antons, Eva Rosina Voglsanger, das Haus und das Geschäft führte. Der Sohn ließ sich in Bozen nieder und starb dort 1790. Seine Tochter Maria Anna, verehelichte Aufschnaiter, verkaufte ihren Besitz 1794 dem Handelsmann Andreas Franz Fournier aus Rattenberg. Er schien glücklos gewesen zu sein, da er nach einem Jahr wegen finanzieller Schwierigkeiten bei Nacht und Nebel Haus, Geschäft und Frau verließ.

Frau Aufschnaiter, nun wieder Besitzerin, bestellte Johann Pichlmayr als Verwalter, der alles 1799 an Maria Hueberin und ihren Mann Kaspar Ignaz Apperle, den ehemaligen Gerichtsschreiber in Breitenbach, veräußerte. Nach fünf Jahren erwarb Josef Dengg die „Bachersche Handlung“, wie sie nach über hundert Jahren immer noch hieß.

1833 übernahm sie der Geschäftsführer der Familie Dengg, Anton Frank, der in den 1860er Jahren das benachbarte Haus Achenseestraße 31, die heutige Markt- und Schulbücherei, erbauen ließ.
Von ihm kaufte es 1874 Georg Ramminger aus Gnigl bei Salzburg, dessen Nachfahren noch immer Besitzer dieses geschichtsträchtigen Gebäudes sind. Heute noch sichtbar ist der lateinische Spruch am Giebel des Hauses aus dem Jahr 1779 (Renovierung): „Gott schütze dieses Haus und wende Gefahren von ihm gnädig ab.“

Bildnachweis Tafel: Stefan Ramminger

Rammingerhaus mit Pestsäule rechts vor dem Messnerhaus (Stefan Ramminger)

Stubenvollhaus / Messnerhaus

In alten Aufzeichnungen wurde es häufig „das Haus herober der steinernen Marter“ genannt - die gotische Pestsäule, die damals in seiner Nähe stand und für diese erste Bezeichnung ausschlaggebend war, befindet sich heute auf dem Werksgelände von Jenbacher Innio.

Seit dem 16. Jahrhundert wohnten hier stets verschiedene Handwerker so z.B. der Schuhmacher Wolfgang Haslauer (um 1590), der Tischler- und Glasermeister Kaspar Grießenböck (um 1620), die Schuhmachermeister Hans Obermayr (um 1640) und Hans und Josef Heinrich (1660-1700), die Tischlermeister Simon Weindl und Anton Jeli (um 1720), dann der Zimmermeister Matthias Prugger (+1737) und schließlich der Weber Sebastian Mayr (um 1740).

Im Jahre 1741 ging das Anwesen auf die Lehrerfamilie Pichlmayr über, die die erste, in Jenbach örtlich lokalisierbare Schulstube einrichteten.
Weitere Vertreter aus der obengenannten Familie: Franz Pichlmayr, Lehrer, Mesner und Organist (+1774), der im Jahre 1821 mit der goldenen Verdienstmedaille ausgezeichnete Lehrer Johann Pichlmayr (+1828) und dann dessen Kinder Josef, Notburg und Antonie Pichlmayr.
Josef Pichlmayr (seit 1843 Alleinbesitzer) verkaufte am 22.4.1874 das Haus an den Schneidermeister Alois Stubenvoll (+1920), der das Anwesen umbaute und dessen Nachkommen heute hier ansässig sind. Ältere JenbacherInnen werden sich noch an das Handarbeitsfachgeschäft von Hilda Feiner erinnern, deren Tochter Irmgard Siller es weiterführte. Heute ist das Haus im Besitz von Monika Messner.

Bildnachweis Tafel: Oben - Archiv Museum, Mitte - Stefan Ramminger, Unten - Franz Fasser

Links: Famile Stubenvoll (Archiv Wageneder), Rechts: Die Pestsäule, die vor dem Haus stand - heute bei Innio (Foto: Mag.a Monika Singer)

Pruckmühl / Esterhammerhaus

Bereits im Jahr 1313 werden die „Mühle am Bach“ und das „Mühllehen“ im gleichen Zusammenhang erwähnt. Unter Heinrich dem Wesch wird sie zur „Pruckmühl“.

Um 1550 wurde die Familie Grießenböck Besitzer des Mühllechnergutes und der Mühle. Vor 1600 stand daneben ein kleines Haus, das schon bald abgerissen wurde. Stattdessen wurde auf die Mühle ein „Stöckl“ - wahrscheinlich als Wohnung für die Müllersleute - gebaut. Nach dem Tod von Michael Grießenböck (1728) weist eine Textpassage in der Abhandlung auf bauliche Veränderungen hin, auf eine „[…] ganz neu aufgerichtete Mühle mit Behausung und Mühlwerk, alles zu Yenbach im Dorf bei der Pruggen liegend“. Sein Enkel, der ebenfalls Michael hieß, verkaufte die „Bruggenühle mit 4 Steinen, mit Stall und Behausung auf der Mühle und einem Grund bei der Mühle, wo früher ein Häusl gestanden“ um 2.050 Gulden an den Müller- und Bäckermeister Johann Wöll, der schon zwei Jahre später den Besitz um fast den doppelten Preis an den Müller Josef Kaufmann verkaufte. Lorenz Köchler (1816), Alois Hörmann (+ 1837), Georg Schüssling (1838), Josef und Johann Obrist aus Stans (1850) waren die nächsten Besitzer.

1850 erwarb der Ingenieur und K.K. Maschineur Josef Mager die Mühle und machte eine Blechnägel- und Drahtstiftenfabrik daraus. Bis zu diesem Zeitpunkt stand im nördlichen Teil ein Haus, das über die Jahrhunderte von verschiedenen Handwerkern bewohnt wurde: Fassbinder Christian (1580) und Jakob Rieder (um 1600), Jakob Obinger (+ 1658). In der „hilzernen Behausung“ wohnten auch die Zimmermeister Andrä Ratgeber (um 1750) und Thomann Schwaiger (um 1770). Sogar Meister des Hutmachergewerbes waren hier ansässig: Zum Beispiel Simon Zisterer (um 1700), Andrä Adler (um 1780) und Johann Schmuck (um 1850). Ein Vertrag vom 18.9.1769 räumte dem Besitzer des Holzhauses „jährlich 2 Maß Wein als Rekognition“ vom Inhaber des Milauer Gasthofes (später „Gasthof Post“ – jetzt Wohn- und Geschäftshaus Schalserstraße 1b) für die Durchführung der Wasserleitung durch seinen Grund ein.

Durch die Heirat mit Magers Tochter Judith gelangte der Handelsmann Josef Lutz aus Fulpmes (+ 1894) in den Besitz der Mühle. Er ließ das einfache Mühlwerk in eine Kunstmühle umbauen und das hölzerne Rinnwerk in einen gewölbten Kanal. Bis 1904, in dem Jahr, in dem Müller- und Bäckermeister Karl Esterhammer alles kaufte, schienen als Besitzer die Witwe Judith Lutz und Franz Lutz als Besitzer auf. Heute gehört das Haus der Marktgemeinde Jenbach.

Bildnachweis Tafel: Franz Fasser

Pichlgut / Lebnachgut / Neunerhaus

Das heutige Anwesen gehörte einst zum uralten Pichllehen, später auch Pichlgut oder Lebnachgut genannt.
Schon in einem Güterverzeichnis Anfang des 14. Jahrhunderts ist dieses Gut aufgezählt und vermerkt, dass es dem Frauenkloster Frauenwörth am Chiernsee in Bayern gewisse Zinse zu geben hatte, z. B. einen Widder und fünf Pfennige in Geld. Mitte des 15. Jahrhunderts war das Gut im Besitze des „Schneiders ob dem Pichl“ und dann eines gewissen Michael Lebnach. Von dem letzteren Besitzer stammt auch der Name „Lebnachgut“.
Im Laufe der Zeit kam zu diesem Besitze immer mehr Grund und Boden dazu, sodass er in späteren Güterverzeichnissen als Doppelgut bewertet und als Pichl- und Lebnachgut“ bezeichnet wurde.

Es scheinen dann eine Zeit lang auch immer zwei Besitzer auf, für die auch zwei Wohngebäude angeführt sind. Noch im 18. Jahrhundert unterschied man „das Haus auf dem Pichl“ und „das Haus im Anger“ oder „im Feld“. Wo die letztere Behausung gestanden hat, lässt sich schwer sagen, vielleicht in der Gegend des heutigen Gebäudes Schalserstraße 4.
Solche Doppelbesitzer waren z. B. 1530 bis 1570 Hans Fischer und Leonhard Schrotter. Von 1570 an kommt eine Reihe von Besitzern namens Schwaiger, meist höhere Gerichtsbeamte von Rottenburg, die zugleich Inhaber des heutigen Bouthillieranwesens waren. So war zeitweise der ganze Häuserkomplex bis zum Bouthillier vom heutigen Doktorhaus an in einer Hand. Noch vorhandene Mauerreste bestätigen dies ebenfalls.

Besitzer von ca. 1570 bis 1670: Jörg Schwaiger und Sebastian Pesserer, Jakob Schwaiger und Zacharias Fischer, Salomon Schwaiger und Abraham Kerscher, Kornelius Schwaiger und Georg März, Samuel Schwaiger und Abraham Huber. Auf die letzteren Besitzer folgen: Christof Voglsanger und Hans Tusch von Pertisau, dann Hans Ludwig und Maria Voglsangerin. Um jene Zeit (1719) fiel die Pichlbehausung (und wohl auch das Haus im Anger) einer Feuersbrunst in der Schalserstraße zum Opfer.
Im Jahre 1721 vermachte die oben genannte Marie Voglsanger ihrem Vetter, dem Besitzer des Gasthauses "Zur Post", Josef Milauer, die „Brandstatt und dazu noch 1.900 Gulden in Beobachtung der erlittenen Feuersbrunst und damit er befährigt sei, anstatt der abgebrunnenen alten Behausung wiederum nach seinen Gefallen allsogleich eine neue Behausung zu erstellen“.

Josef Milauer baute das Haus tatsächlich neu auf und es stammt wohl aus jener Zeit der heute noch erhaltene Baustil.
Mit dem Tod des Josef Milauer war auch das Ende des einst so großen Gutes gekommen. Alle dazu gehörigen Felder usw. kaufte (mit dem Gasthof) ein gewisser Nikolaus Klingler.
Vom ganzen ehemaligen Pichl- und Lebnachgut behielt die Tochter Maria Milauer allein noch die „Pichlbehausung“.
Sie war mit Simon Schmid verehelicht, welcher das Haus nach ihrem Tode an Thomas Braun veräußerte. Weitere Besitzer im letzten Jahrhundert waren: Balthasar Wirth, Dominikus Steiner, Gertraud und Theres Hussl, Johann Kögl und dann dessen Töchter verehelichte Kern, Walburg, verehelichte Unterladstätter und Scholastika Kögl. Einer der letzten männlichen Besitzer war jedenfalls Polier im Hüttwerk, weshalb eine Zeit lang der Hausname „beim Polier“ gebräuchlich war.

1904 ließ der neue Gemeindearzt nach Dr. Rainer, Dr. Hans Neuner, das Haus mit Rücksichtnahme auf die alte Bauweise zum heutigen stattlichen Anwesen ausbauen. Es befindet sich nun im Besitz seines Enkels, des pensionierten Augenarztes Dr. Hanspeter Neuner. Dieser ließ im Jahr 2020 das barocke Wegkreuz restaurieren.

Bildnachweis Tafel: Franz Fasser

Neunerhaus von Westen (Franz Fasser)

Bouthillierturm

Ein uraltes Wahrzeichen Jenbachs, das auch auf allen alten Abbildungen zu sehen ist, ist der sogenannte Bouthillier-Turm, der heute ein Wohnhaus geworden ist.
Seine Bauweise deutet darauf hin, dass er um das Jahr 1480 entstanden ist und somit sicher eines der ältesten Jenbacher Bauwerke ist. Wenn man bedenkt, dass seine Grundmauern eine Stärke von drei Metern haben und die Mauern im ersten Stock noch einen Meter stark sind, dann kann man sich vorstellen, warum dieses Gebäude allen Stürmen der Zeit standgehalten hat.
Der Turm war einst im Besitze der Ritter von Rottenburg und diente als eine Art Speicher, wohin die den Rottenburgern untertänigen Bauern einen bestimmten Teil ihrer Feldfrüchte abzuliefern hatten. Seit alter Zeit gehört der Turm zum daneben stehenden Draxlgut, das in alten Schriften oft vorkommt und auch „das Haus neben dem Durn“ genannt wird. Sichere Nachrichten über den Turm und seine Eigentümer besitzen wir aus den letzten Jahrhunderten, und zwar aus den Aufschreibungen, die sich im Turmknopf befinden. Anlässlich der im Jahre 1926 durchgeführten Dachreparatur wurde auch der Turmknopf herunter genommen und man fand darin neben einigen Kupfermünzen und geweihten Pfennigen und Kreuzlein Aufschreibungen aus den Jahren 1743, 1834, 1901.

Das erste Dokument vom Jahre 1743 berichtet uns, dass der Turm damals und sicher schon seit dem früheren Jahrhundert im Besitze der in Jenbach hochangesehenen Familie Voglsanger war. Es heißt wörtlich: „Dieses Dach habe ich Johann Georg Voglsanger, damaliger Hüttamtsverweser all da zu Jenpach, mit Anna Maria Gwercherin von Fügen in ehelichem Stand, durch Wolfgang Erl, Zimmerknecht im sogenannten Wies- oder Rädermachergassl haussässig, und Simon Schneider, Raucharbeiter allda decken lassen. Unkosten 70 fl. den 11.X.1743“. Dazu folgt noch die Bemerkung: „Bei gutem und schönem, ohne Schnee haltbarem Wetter gänzlich verfertigt worden. Der Nachkommende, so das Dach abermals decken lässt, wird bittlich gebeten, für uns und unsere Freundschaft mit einem Vaterunser und Ave Maria eingedenk zu sein, welches der allmächtige Gott zu tausendmal belohnen wird. Addio“.

Das zweite Schriftstück im Turmknopf vom Jahr 1834 erklärt die Herkunft des heute noch gebräuchlichen Namens „Bouthillierturm“.
Es heißt darin: „Obiger Johann Georg Voglsanger hatte mit seiner genannten Gemahlin Maria Gwercher eine einzige Tochter, Anna Notburga Voglsanger und Besitzerin dieser beiden Güter. Diese verehelichte sich mit Herrn Christian Albert Bouthillier von Dinkelspiel in Schwaben gebürtig, damaligem Schreiber beim Pflegegericht in Zell a. Z.“.
Von dieser Familie Bouthillier hat der Turm auch heute noch seinen Namen. So wie der Name heute noch im Dialekt ausgesprochen wird, wissen wohl die wenigsten, dass er eigentlich französischen Ursprungs ist.
Wahrscheinlich dürften die Bouthillier zur Zeit der Revolution aus Frankreich geflüchtet sein und sich in Schwaben niedergelassen haben, von wo dann Christian Bouthillier nach Tirol kam. Das Schriftstück erzählt dann weiter, dass Frau Anna Notburg Bouthillier-Voglsanger bereits im 42. Lebensjahre hier starb, ihr Gemahl im 52. in Innsbruck. Sie hinterließen sechs Kinder, von denen ein Sohn im Augustinerkloster starb, während zwei andere Söhne Beamte in Innsbruck waren. Der älteste Sohn, Albert Bouthillier, übernahm im Jahre 1801 das väterliche Gut. Noch heute ist über der Stubentür des Bouthillierbauernhauses sein Wappen und die Anfangsbuchstaben seines Namens A. B. mit der Jahrzahl 1831 angebracht. Er heiratete Maria Gertrud Gloggner von Jenbach. Unter ihm wurde auch eine Reparatur des Turmes vorgenommen, wie uns das Schriftstück berichtet:
„Es erfordert die Notwendigkeit, dass die Bedachung dieses Turmes vorgenommen wurde. Am 20. März 1834 wurde der Knopf dieses Turmes durch Johann Haß von Tulfes gebürtig und derzeit Knecht bei Albert Bouthillier, damaliger Besitzer dieses und des Traxlgutes abgenommen.
Dieses Turmdach wurde am 30. April 1834 durch Johann Haß zugedeckt und dieser Denkzettel in den Knopf gelegt. Wer dieses Turmdach künftig decken lässt wird gebeten, für die Voglsangerische, Bouthilliersche und Gloggnerische Freundschaft, dann für Johann Haß, nicht minder bedürftig, ein Vater unser und Ave Maria eingedenk zu sein. Addio“
P. S. „Der Turm haltet in der Höhe 50 Klafter (Fuß) und der Knopf hält 15 Maßl Roggen“.

Eine dritte Reparatur des Turmes erfolgte im Jahr 1901, und auch damals wurde ein Schriftstück
hinterlegt. Es berichtet, dass Peter Blaas aus Sankt Valentin auf der Heide und seine Frau Aloisia, geborene Pinggera aus Stilfes in Vinschgau, den Turm von Josef Bouthillier am 1. März 1901 käuflich erworben hatten. Blaas führte im Turm eine Wein- und Essighandlung und neben der Esterhammerbrücke am Kasbach einen Obst- und Gemüsekiosk.
Nach dem Tod von Peter (1918) und Aloisia Blaas (1920) ging der Besitz auf deren Tochter Paula über, die sich 1924 mit Josef Ruech, Postexpeditor in Jenbach, verehelichte. Sie unterzogen das Haus einer gründlichen Reparatur, wobei die alte Bausubstanz weitgehend erhalten blieb.
Anlässlich der im Jahr 1927 erfolgten Abnahme des Turmknopfes wurde den bisherigen Schriftstücken ein weiteres hinzugefügt. Die alten, schon stark vergilbten und beinahe unleserlich gewordenen Urkunden wurden auf Pergament abgeschrieben und samt den Originalen und einigen neuen Münzen (u. a. russische Münzen zum Andenken an die schwere Kriegszeit) in den Knopf gegeben. Das Turmdach deckten trotz schlechten Wetters, aber bei gutem Humor, Johann Hasler aus Schwaz und Ludwig Messner aus Jenbach. „Auch unser Bauherr und seine Frau waren fleißig. Heute sitzen wir gemütlich beisammen und lassen unseren Bauherrn hochleben. Wir Zimmerleute legen zur Erinnerung aus unserer schweren Weltkriegszeit einiges Papiergelt bei. Servus!“

In der 1982 zugefügten Aufzeichnung heißt es:
„Der Besitzer Josef Ruech verstarb 1973 und dessen Gattin 1979. Deren Nachfolger, Erwin Ruech,
geb. 1927, verehelichte sich 1953 mit Elisabeth Obweger aus Fügen, denen ein Sohn und eine Tochter geboren wurden.
1977 wurde an der Südseite des Hauses ein Anbau errichtet und die Fassade des Gebäudes erneuert. Die Turmkugel, die im Zweiten Weltkrieg von Schüssen durchlöchert worden war, wurde bei der Aufmauerung des Kamins im Jahr 1982 repariert, die Schriftstücke, die abermals fast unleserlich waren, erneuert. Die alten Münzen und Kreuzlein wurden durch eine Silbermünze aus dem Jahre der Jenbacher Markterhebung ergänzt und dem Turmknopf beigegeben. Ein neues Schriftstück mit der Bitte „Möge Gott Leut‘ und Gut beschützen, Segen und Frieden uns und den Nachkommen für alle Zeit geben“ wurde hinzugefügt. Die Kugel wurde gemeinsam mit einer neuen Wetterfahne ersetzt, und vom Besitzer und dessen Sohn Walter auf die Turmspitze wieder aufgesetzt. Jenbach, am 26. Juni 1982.“

Bildnachweis Tafel: Oben - Archiv Läugner, Unten - Franz Fasser

Stöcklschmiede / Kastnerschmiede

Diese uralte Schmiede hieß in alter Zeit auch die Schmiede „ob der Sag“ (1564), dann auch „die Schmiede im Dorf“ (1588). Urkundlich nachweisbar als Besitzer sind: Um 1564 ein Meister Michael (ohne Schreibname) und 1580 Hans Aichholzer, „Meister des Schmiedehandwerkes“, sowie 1588 der „Schmied im Dorf“ Hans Vischer.

Um 1590 ging die Schmiede auf die Familie Stöckl über. Die Stöckl waren eine der ältesten Gewerken (Besitzer von Erzgruben) des Schwazer Bergwerkes. Als Schmiedemeister betrieben hier ihr Handwerk: Um 1590 Stefan Stöckl (+1618). Er übergab die Schmiede im Jahre 1614 seinem Sohne Christof Stöckl.
Dieser Meister Christof Stöckl scheint in seinem Fache sehr tüchtig gewesen zu sein. Von seinem Können und seinem Fleiß gibt heute noch das schmiedeeiserne Abschlussgitter der Franziskanerkirche in Schwaz Zeugnis, das er für die Kirche im Jahre 1621 lieferte. Christof Stöckl starb 1646.
Als nächster Schmiedemeister wohnte hier Hans Stöckl, + 1674, dem wieder ein Stefan Stöckl folgte. Meister Stefan Stöckl starb 1704. Er hinterließ die Tochter Regina Stöcklin, die sich mit dem späteren Meister Peter Kastner verehelichte, wodurch die Schmiedewerkstatt auf die Familie Kastner überging.
Besitzer aus der Familie Kastner waren:
1. Peter Kastner (+1738),
2. Josef Kastner, +1766,
nach ihm vorübergehend die Witwe Ursula Pockstaller,
3. Josef Kastner (+1826),
4. Josef Kastner (+1849),
5. Josef Kastner (+1916). Unter ihm, der auch Gemeindevorsteher war, erfolgte ein Umbau des Hauses.
6. Max Kastner seit 1916.

In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde eine Autoreparaturwerkstätte (mit Wohnräumen) an die Schmiede angebaut (Haus Nr. 44). Wo sich heute das Haus Achenseestraße 45 mit dem ehemaligen Herrenmodengeschäft der Firma Feucht befindet, stand früher das zum Kastnerhaus gehörige Ökonomiegebäude, das 1907 zum Wohnhaus umgebaut wurde. Auch Geschäftsräumlichkeiten wurden errichtet, die nach Josef Kastner Albert Bockstaller und ab 1931 Max Fuchs gehörten.

Bildnachweis Tafel: Franz Fasser

1947 - Unglück bei der Asphaltierung der Achenseestraße vor der Autowerkstätte Kastner (Chronik Marktgemeinde Jenbach)

Feldschmiede / Sensenwerk

Das Schmiedehandwerk ist wohl das älteste Gewerbe, das je in Jenbach ausgeübt wurde. Als Herzog Heinrich 1320 einen Weg von Jenbach ins Achental anlegen ließ, enstanden an dieser Wegverbindung entlang des Kasbachs die ersten Schmiedewerkstätten. Holz- und Holzkohlelieferung vom Achental für den Bergbau in Schwaz und Salz- und sonstige Handelsfuhren vom Inntal nach Bayern machten die Achental-Straße zu einer wichtigen Verkehrsverbindung, wobei besonders die Huf- und Wagenschmiede reichlich Absatz fanden.
Älteste Zeugnisse für das Vorhandensein des Schmiede- und Sensenschmiedehandwerks in Jenbach sind zwei Zunftstangenaus dem Jahr 1512 in der Jenbacher Pfarrkirche, wovon eine die Symbole des Schmiedehandwerks (Hufeisen, Sense und Sichel) träg. Auch in den alten Totenbüchern lesen wir von Sensenschmieden, unter denen besonders das Geschlecht der Milpacher (heutiger Familienname Mühlbacher) bekannt wurde. Die einzelnen Sensenschmiede befinden sich am Bach im Dorf verstreut, vor allem im Oberdorf („Mühlangerl“).
Ein bekannter Vertreter aus dieser Zeit ist „Lienhart der Schmidt“, der 1518 das „Priesterhaus“ (Widum) stiftete. Von ihm stammen auch die Beschläge für die Sakristeitür in der Kirche.
In den folgenden drei Jahrhunderten entstehen viele weitere Schmieden in Jenbach.
Eine sehr bekannte und uralte ist die „Schmiede ob der Sag“, später die „Schmiede im Dorf“, die zuerst den Meistern Michael und Hans Aichholzer, dann Hans Vischer und schließlich der Familie Stöckl gehört – einer der ältesten Gewerkenfamilien des Schwazer Bergbaues. Von ihnen stammt auch das schmiedeeiserne Abschlussgitter in der Franziskanerkirche in Schwaz und die Kerzenhalter an der Empore der Jenbacher Pfarrkirche. Regina Stöckl heiratet Meister Peter Kastner – auch heute noch ist das Gebäude gegenüber der „Palettistiege“ (alt: „Kastnerstiege“) im Besitz der Familie Kastner.
1664 verlieh der kaiserliche Pfalz- und Hofgraf Johann Werndle den Gebrüdern Jörg, Stefan und Jenewein Milpacher (Huf- & Waffenschmiede) ein Wappen, in dem ein Sensenschmied dargestellt wird.
Generell spezialisieren sich von nun an die Schmieden in Jenbach auf die Herstellung von Sensen, das wird auch die nächsten 200 Jahre so bleiben.

Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Sensen hauptsächlich in die Schweiz, nach Frankreich und Bayern exportiert. Die gelernten Sensenschmiede hüten die Methoden der Sensenherstellung ängstlich, um dem Zuzug weiterer Konkurrenz Einhalt zu gebieten. Wissen vererbt sich vom Vater auf den Sohn. Ein „Sensenbreiter“, der den schwierigsten Arbeitsgang zu bewältigen hat und somit als „König der Sensenschmiederei“ gilt, setzt sich im Gasthaus nie mit den anderen an einen Tisch – er erhält einen eigens für ihn reservierten Platz.

1849 schließt Franz Huber mit dem von Kleinboden im Zillertal stammenden Bartlmä Penz einen formellen Vertrag, in dem dieser ihn in die Kunst des Sensenschmiedens einweihen soll. 1862 erwirbt und vereinigt er einzelne Jenbacher Schmieden und vergrößert das Werk durch zahlreiche Neubauten: die Feldschmiede, die Hausschmiede und die Neuschmiede. Huber lässt das damals noch offene Abwassergerinne durch einen unterirdischen Kanal zum Kasbach leiten. Unter ihm nimmt die Sensenerzeugung durch die Umstellung zur Sensenfabrikation den größten Aufschwung.
Nach Franz Hubers Tod 1892 kauft sein gleichnamiger Sohn das abgebrannte Wohnhaus des Gerbers Franz Morgenstätter und lässt die Kantine der Sensenfabrik (später GH Sensenwirt) erbauen.
1895 übernimmt Huber die am nördlichen Ortsende gelegene „Graußschmiede“ (dort wo heute die Wohnanlage Haserbichl steht) – somit sind alle Jenbacher Schmieden im Huberschen Familienbesitz.
Die nächste Betriebserweiterung erfolgt durch den Kauf eines Sensenwerkes in Mühlbach bei Oberaudorf/Bayern. In Jenbach werden zu dieser Zeit 250 Grundmodelle von Sensen hergestellt.
1922 beträgt die Jahresproduktion 450.000 Sensen – der Betrieb wird nun eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Bayrische und Tiroler Sensen-Union-AG“.
In die Hauptexportländer Osteuropas werden allerdings nach dem 1. Weltkrieg wegen des Konkurrenzkampfes am Weltmarkt immer weniger Sensen geliefert, bis der Verkauf ganz ausbleibt. Ein Jahr später wird das untere Sensenwerk in Jenbach zur Gänze eingestellt.

1939 werden noch 230.000 Sensen in Jenbach produziert. Ein Jahr später stirbt Franz Huber bei einem Autounfall in München. Der Generaldirektor der Jenbacher AG, Franz Prantl, übernimmt die Sensenwerke.
Ende Februar 1945 entstanden schwere Schäden durch Bombardierung an den Werksanlagen, trotzdem wird die Produktion bis 1971 fortgeführt. Im Folgejahr wird mit dem Abbau von Werksanlagen begonnen. Die letzten Arbeiter wechseln bis zur Pensionierung ins Werk nach Mühlbach.
1980 gab es in Jenbach nur noch Kommissionslager für Sensen, die in Roßleiten/Oberösterreich gefertigt werden, sowie ein weiteres Lager der Bayrischen und Tiroler Sensen-Union-GmbH.
Schließlich kam es im Jahr 2000 zur endgültigen Einstellung des Sensenverkaufes in Jenbach. Die letzten Lagerbestände werden nach Roßleiten gebracht.
2011 wird der letzte Teil der Graußschmiede abgerissen, 2 Jahre später stirbt der letzte Werkmeister Albert Pumpernik.

Bildnachweis Tafel: Franz Fasser

Feldschmiede (Franz Fasser)

E-Werk Prantl

Im Jahr 1898 baute die Firma Franz Prantl ein Elektrizitätswerk, wodurch Jenbach als eine der ersten Landgemeinden mit elektrischen Licht versorgt wurde.
In den Anfangsjahren der Elektrifizierung erfolgte die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung von elektrischer Energie fast ausschließlich zur Deckung des Eigenbedarfes in Gewerbe und Industrie.
Davon abweichend lag dem Jenbacher E-Werk bereits von vornherein der allgemeine Versorgungsgedanke zugrunde. Jenbach gehört zu den ersten Landgemeinden Tirols, die mit elektrischem Licht und mit elektrischer Kraft versorgt waren. Der Mann, dem dies zu danken ist, war Franz Prantl.

Bereits im November 1896 wurde von Franz Prantl jun., Hotelbesitzer in Jenbach, um die „Erteilung der Concession zur Benützung der Wasserkraft des Kasbaches für die Errichtung einer elektrischen Anlage in Jenbach“ sowie um die Bewilligung zur Errichtung der betreffenden gewerblichen Anlage für elektrische Beleuchtung und Kraftübertragung angesucht. Er beabsichtigte mehrere Straßen, eigene und andere Privatgebäude und Einrichtungen in Jenbach, die Rotholzer landwirtschaftliche Anstalt und das Hotel des Norbert Graus in Buch mit elektrischem Licht zu versorgen. Doch diese erste geplante Anlage dürfte unwirtschaftlich gewesen sein und wurde nicht verwirklicht.

Schon am 29. Jänner 1898 erhielt er aber von der BH Schwaz die Genehmigung zum Betrieb des Kasbachwerkes und am 2. Juni 1898 die Bewilligung für das Mossbachwerk, die sogenannte Kaufmannmühle. Grund und Boden wurden bereits 1895 dem Anton Müllauer abgekauft.

Vor Baubeginn war Franz Prantl schon mit Interessenten für eine Stromabnahme in Verbindung getreten und hat sich von diesen Verpflichtungserklärungen für die Abnahme von elektrischem Strom für eine entsprechende Anzahl von Lampen und einer Laufzeit von 5 Jahren unterzeichnen lassen.
Die Interessenten mußten sich auch verpflichten, die Glühlampen beim E-Werk zu kaufen und die Installationsarbeiten von diesem durchführen lassen.
Trotzdem blieb ein ungeheures Risiko für Franz Prantl, denn die technischen Mittel waren damals noch sehr wenig erprobt und es war nicht sicher, ob die Erzeugung und Verteilung des Stromes tatsächlich so funktioniert, wie gewünscht.
Anfänglich gab es große Schwierigkeiten - oft erwiesen sich die Leuchtmittel im wahrsten Sinne des Wortes als „Glüh-Lampen“, weil der Kohlefaden nur glühte, anstatt strahlendes Licht zu verbreiten. Außerdem war jedes Werk auf sich selbst angewiesen und die kleinste Störung an Maschinen und Anlagen bekam der Abnehmer zu spüren, selbst das Einschalten eines größeren Motors brachte Probleme mit sich. Heute hängen beinahe alle E-Werke Europas an einer Sammelschiene, sodaß Spannungs- und Frequenzstabilität sowie die ausreichende Belieferung mit Strom gewährleistet ist.
Die Schwierigkeiten wurden damals gemeistert und bald gab es keinen Mangel mehr an Interessenten. Bei den Gewerbetreibenden war allerdings das Mißtrauen noch sehr groß und man war nicht bereit, irgend ein Risiko einzugehen. Dem E-Werk wurden Bedingungen gestellt, über die man sich heute nur wundern kann.
So wurde bereits am 2. April 1898 mit der Hugo Ritter von Maffei‘schen Bierbrauerei ein Stromlieferungsvertrag abgeschlossen. Franz Prantl mußte sich aber dabei verpflichten einen 30-PS-Motor kostenlos beizustellen und in tadellosem Zustand zu erhalten. Die Betriebszeit wurde jedoch z.B. für Jänner von 4-8 Uhr früh und von 16 - 18 Uhr festgelegt.

Am 30. April 1897 richtet Franz Prantl an die Gemeinde das Ersuchen, auf Straßen und Plätzen „Lichtstangen aufstellen und Leitungen spannen zu dürfen“. Nach mehreren, manchmal ziemlich heftigen Auseinandersetzungen um das „Für und Wider“, wurde ihm am 29. Oktober 1897 in einem auf 25 Jahre befristetem Vertrag die Genehmigung erteilt, im Ortsgebiet 28 „Flammen“ als Straßenbeleuchtung zu installieren, sowie 3 Flammen für die Kirche und 4 für das Widum. Damals mußte für jeden Maststandort ein Dienstbarkeitsvertrag mit dem Grundbesitzer abgeschlossen werden und man kann sich vorstellen, dass so manche, am Licht noch uninteressierte, ihre Einwilligung nicht gaben.
Für die Einschaltung der Straßenbeleuchtung war Franz Prantl verantwortlich - die Vorschrift besagte: die Beleuchtung hat zu brennen von der Dämmerung bis 0.30 Uhr nachts und von 4 Uhr früh bis zur Tageshelle.

Die Sensen Union schloss erst im September 1904 einen Stromliefervertrag mit dem „Jenbacher Elektrizitätswerk für Kraft und Lichtabgabe“ wie der damalige Firmenname lautete und verlangte eine ausreichende und sichere Belieferung während der täglich 12stündigen Arbeitszeit.

Die k. k. priv. Südbahngesellschaft (jetzt Bundesbahn) begann die Verhandlungen bereits im März 1905 und erst im Jänner 1907 wurde nach nahezu zweijährigem Probebetrieb der Vertrag unterzeichnet.
Bei der Achenseebahn, deren Direktion damals noch in Salzburg war, wurde ebenfalls zuerst ein Probebetrieb auf Kosten und Risiko des E-Werkes zur Beleuchtung des „Persons und Dienstlocale“ durchgeführt und im Juli 1907 der Vertrag abgeschlossen.
Die Zillertalbahn verlangte noch mehr. Nachdem die Berechnungen ergeben hatten, dass die Petroleumbeleuchtung jährlich K 255.- ohne Zylinder, Dochte usw. kostet und die elektrische ebensoviel kosten würde, verlangte sie mit Vertrag vom 15. Feber 1906 die probeweise Lieferung des Stromes, wobei aber das E-Werk die notwendigen Beleuchtungskörper und Glühbirnen beizustellen hatte.

Mit fortschreitenden Elektrifizierung von Haushalt und Gewerbe änderten sich die Verhältnisse grundlegend. War z. B. 1912 in den allgemeinen Bedingungen für den Anschluss an das E-Werk Jenbach unter § 7 noch zu lesen „ ... an Sonn- und Feiertagen von 9 Uhr vormittag bis 3 Uhr nachmittag bleibt der Strom abgestellt ... „, so wurden im Laufe der Zeit die Bestimmungen vereinheitlicht und heute sind sie für alle EVU in den einzelnen Bundesländern, größtenteils aber sogar in ganz Österreich, gleich.

Bildnachweis Tafel: Archiv E-Werk Prantl

______________ (Archiv E-Werk Prantl)

Die Jenbacher Brauerei

Das Gründungsjahr lässt sich heute nicht mehr feststellen, allerdings ist sicher, dass sich auf diesem Platz mit dem Flurnamen „Zu Windegg“ oder „Auf dem Haus“ bereits unter den Fuggern die Jenbacher Biertradition begann. Damit zählt die Jenbacher Brauerei mit einem Alter von über 400 Jahren zu den ältesten Tirols.
Die Verfachbücher im Tiroler Landesarchiv weisen 1658 als Käufer mehrerer Gebäude den Handelsmann Christian Unterberger aus Achenkirch aus, welche damals im Besitz des Jenbacher Schmölzwerkes waren.
In einer Steuerliste aus dem Jahr 1427 scheint auf, dass die Pierbröyer an diesem Platz den Gerstensaft für die durstigen Kehlen der Knappen und Schmelzer brauten. Zunftstangen in der Pfarrkirche weisen darauf hin, dass die Jenbacher Brauerei seit 1508 als Gewerbe eingetragen war. In der Folgezeit übten sich verschiedene Pächter in der Kunst des Bierbrauens, bis die Erben des Christoph Unterberger den Besitz 1683 an Anton Franz Pistorini verkauften, wodurch sich die Bezeichnung Pistorinisches Brauhaus etablierte.

Später ging der Besitz auf die Familie Magginger über, den Betrieb zu hoher Blüte brachte und auch Wohltäter der örtlichen Pfarrkirche waren. Unter dem Nachkommen Franz Magginger wurde auch eine Wirtsgerechtigkeit (Berechtigung zum Betreib eines Gasthofes) vergeben. Die Familie Magginger erwarb ein zur damaligen Zeit beträchtliches Vermögen von 50.000 Gulden Nach dem Tod des letzten Nachkommen 1811 erlosch diese Jenbacher Brauerdynastie.

Die Brauerei und alle dazugehörigen Realitäten erwarben daraufhin die Gräfin Therese Trautmannsdorff und ihre Tochter Johanna, welche den Hauptmann Johann Pretzschner aus Bamberg heiratete.
Unter der Familie Pfretzschner stand die Brauerei wieder in sehr hohem Ansehen und war in der Umgebung und über die Grenzen hinaus bekannt und das gebraute Bier sehr beliebt. Nach dem Tod der Eltern übernahm der Sohn Dr. Norbert Pfretzschner die Brauerei, die er aber selbst nicht führte und 1889 schließlich an den später glücklosen Josef Köle aus Pfunds verkaufte. Nach einem verheerenden Brand verkaufte dieser schließlich den gesamten Besitz an Hermann Ritter von Maffei aus München. In dieser Zeit trat Franz Kröninger als Teilhaber und Verwalter in den Betrieb ein und brachte in den folgenden Jahren - nach einer umfangreichen Modernisierung zum Großbetrieb - die Jenbacher Braukunst wieder zur alten Blüte.

Im Jahr 1927 erfolgte die Fusionierung mit der Brauerei Kundl (der späteren Biochemie) und somit erlosch ein jahrhundertealtes Gewerbe in Jenbach und der Besitz ging 1928 an die Vereinigten Brauereien Kundl-Jenbach über.
Mehrere Pächter versuchten, das Brauhandwerk fortzuführen, wurden aber endgültig im Februar 1945 durch einen Bombenangriff amerikanischer Flieger zum Aufgeben gezwungen. An diesem Tag starben drei Menschen, das Braugasthaus wurde völlig zerstört, das Sudhaus brannte aus und der Faßlschuppen in Mitleidenschaft gezogen.

Bis Anfang der 1960er Jahre wurde ein Gastbetrieb im Erdgeschoß des Brauereigebäudes aufrecht erhalten, bis schließlich 1963 dieses Gebäude wiederum den Besitzer wechselte.
Die aus Ludwigsburg stammenden Brüder Georg und Konrad Jeschke kauften schließlich die Brandruine von der österreichischen Brau-AG in Linz und setzten diese in sehr nüchterner und zweckmäßiger Weise wieder in Stand. Das Gebäude wurde vorerst als Band- und Litzenfabrik durch die neuen Eigentümer genutzt, bis diese die Tiroler Produktion aufließen und nachfolgende Gewerbebetriebe die Räumlichkeiten nutzten.
Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Erben und wird vornehmlich gewerblich und künstlerisch genutzt. Damit hat das auf über 400 Jahre zurück gehende Gebäude einen neuen Nutzen und Anspruch in (fast) alter Hülle erfahren.

Bildnachweis Tafel: Oben - Archiv Läugner, Mitte - Archiv Läugner, Unten - Franz Fasser

Märzengut /Simanagl

Prof. Hans Tusch schreibt in seiner Familien- und Häuserchronik von Jenbach (1944), dass es „mangels an Aufzeichnungen […]“nicht möglich ist […] „alle Besitzer namentlich anzuführen, doch lässt sich der Bestand des Gutes zu allen Zeiten von 1269 an nachweisen“. Hier wohnte Sivridus Merzer de U(o)mbach, der erste namentlich erwähnte Jenbacher, der als Zeuge in einem Kaufvertrag von 1269 aufschien.

Grundherrschaft war das Kloster St. Georgenberg. Die Bezeichnung „Gut“ umfasste die Gebäude, „Lehen“ den Grundbesitz. Dieser ging bis zur heutigen Achensee-Apotheke (früher „Gasthof zur Klamm“). Die Nachfahren von Siegfried Merzer/Märzer (Peter um 1427, Matthias um 1500, Georg um 1580, Christof bis 1643, Balthasar um 1650) waren namensgebend für Gut und Lehen. Ab etwa 1427 wurden immer wieder Grundverkäufe an die Brauerei getätigt. Das große Märzenlehen war in diesen Jahren abwechselnd im Besitz der Gewerken Stöckl, Haring, Hörwarth und Fugger. Das in alten Kirchenrechnungen (1566, 1570) erwähnte und zum Gut gehörende „Toterhaus am Laimeregg“ zinste der Kirche. Ab 1599 verfiel es laut Aufzeichnungen und es lässt sich bis heute nicht eruieren, wo es gestanden hatte, wie auch der Flurname „Laimeregg“ nicht zuordenbar ist. Zur gleichen Zeit tauchte auch ein anderer Hausname („Huebengut“ bzw. „Gut zu Hueb“ im Jahr 1586) auf.

Um 1650 erwarb Hans Grießenböck (+ 1689) – aus einer alteingesessenen Jenbacher Familie - das Gut. Sein Sohn Simon (+1717) erwies sich als großer Wohltäter der Kirche. Nach ihm übernahm sein Sohn Abraham (+ 1774) den Besitz. Er durfte sich 1771 über die Primiz seines Sohnes Matthäus freuen. Aus den Vornamen dieser beiden - „dem Simon sein (Sohn) Aberl (Mundart-Abkürzung für Abraham)“ entwickelte sich der ab ca. 1820 gebräuchliche Hausname „Simonaberl“.

Erbe nach Abrahams Tod war sein Sohn Jakob, der das Anwesen 1812 noch zu Lebzeiten an seinen Sohn Johann übergab. Dieser war um 1845 Gemeindevorsteher von Jenbach und kaufte 1817 das Stanglhaus (später Villa Zisterer) am heutigen Dr. Neuner-Weg (das Haus wurde vor einigen Jahren abgerissen). Ab 1865 wohnte Josef Grießenböck (+ 1884) dort. Er ließ das Gebäude vier Jahre später großzügig umbauen, was er am Dachgiebel mit seinen Initialen J.G. und der Jahreszahl verewigen ließ. Da er keine Nachkommen hatte, ging der Besitz an seinen Bruder Franz, der ebenfalls unverheiratet 1892 starb. Die Erbin Theres Grießenböck heiratete Josef Zisterer aus Wiesing. Als Gemeindevorsteher ließ er sich das „Stanglhaus“ zur Villa ausbauen und verkaufte das Märzengut 1904 an Franz Rainer. 1911 hieß der Besitzer Simon Rainer. Aktuell wohnt dort Elisabeth Rainer, die Witwe von Hans Rainer (+ 2006).

Bildnachweis Tafel: Oben - Archiv Gerda Rainer, Mitte - Erika Felkel, Unten - Franz Fasser

Pfarrkirche

Die rasche Bevölkerungszunahme nach Entdeckung der ertragreichen Erzgruben und Erbauung der Jenbacher Hüttwerke weckte unter den Jenbachern den Wunsch nach einer eigenen Kirche - bisher mussten sie den Gottesdienst in Münsterbesuchen. 1486 wurde der Bau eines Gotteshauses beschlossen, um die Baubewilligung angesucht und mit der Spendensammlung dafür begonnen.
Nach dem Bau einer hölzernen Notkapelle durch die Meister Lamprecht und Waldner hielt der Pfarrer von Münster am Peter- und Paultag 1487 den ersten Gottesdienst in Jenbach.
Die feierliche Grundsteinlegung für die eigentliche Kirche war am 22. Februar 1487. Das diesbezügliche Dokument wurde unterzeichnetet von Georgius Jung als Vertreter des Bischofs, die drei Jenbacher Kirchpröpste Johann Mall, Michael Lebnach und Hans Schroter, ferner als Zeugen die Gewerken (Bergwerksbesitzer) Anton von Roß, Nikolaus Gaulnhofer und Lampert Erlacher.

„Paumeister“ - das war damals nicht der Architekt, sondern der Verwalter der Baugelder - waren Virgil Hofer und Hans Hartmann von Schwaz und später Nikolaus Gaulnhofer von Jenbach.
Der eigentliche Baumeister hieß damals Werkmeister und war Gilg Mitterhofer, der auch Werkmeister beim Bau der Schwazer Pfarrkirche und der St. Leonhardskirche bei Kundl war. Er hielt sich teils beim Bau der Kirche in Jenbach, häufig aber auch beim Marmorbruch in der Hagau (zwischen Münster und Kramsach) auf. Die Zimmermannsarbeiten besorgte während des ganzen Baues der schon erwähnte Meister Waldner mit seinen Gesellen.

Die Baugelder bestanden zu einem großen Teil aus Spenden der Bewohner von Jenbach wie auch auswärtiger Wohltäter. Spenden gingen ein bei Kirchensammlungen und aus Opferstöcken in der Klamm (bei der kleinen Kapelle, wo der Villenweg, damals die Fahrstraße, nach Schwaz abzweigte), auf dem heutigen Friedhof und in der Kirche. Der heute noch in der Kirche stehende Opferstock aus Hagauer Marmor stammt aus der Zeit des Kirchenbaues, da im Jahre 1490 der Schlosser von Rattenberg die Beschläge dazu machte.
Auch von auswärts flossen Gelder zum Kirchenbau, so von Erzherzog Sigmund, der sich persönlich vom Baufortschritt überzeugt hatte, kleinere Beträge an Bargeld von den Gewerken Häringer, Schlosser, Resch, Erlacher usw .
Auch durch die Spende von Ringen, silbernen Schließen, Röcken, Mänteln, Hühnern, Pferden und sogar einer Bärenhaut unterstützte man den Kirchenbau.
Die bedeutendsten Einnahmen aber flossen in der Blütezeit des Bergbaues aus dem sogenannten Almosenerz. Nach damaligem Brauch waren die Grubenbesitzer verpflichtet, den zehnten Teil der Erzförderung (jeden zehnten Kübel) abzuliefern. Der Ertrag wurde dann vom Landesfürsten oft für Wohltätigkeitszwecke verwendet, z. B. für Spitäler, Schulen, und wie in diesem Fall für Kirchenbauten. Auch einzelne kleinere Erzfunde wurden häufig der Kirche verehrt.

Die Bausteine (Bruchsteine) für das Mauerwerk der Kirche wurden hauptsächlich vom nahen Buchberg her geliefert, der rote Marmor wurde in der Hagau gebrochen. Der Lichtgraue Sandstein (bei den Fenstern) kam von Mittenwald bei Scharnitz, der Tuffstein vom Vomperbach. Die „Tritte“ für die Schneckenstiegen beim Turm- und Choraufgang wurden von Breitenbach geliefert. Die Ziegel für das Gewölbe stammen aus Hall. Kalk wurde in Wiesing, Schwaz, Mils und Hall gekauft. Die Dachschindeln wurden hauptsächlich von Leutasch bezogen.
Die Beschaffung des Baumaterials gestaltete sich teilweise schwierig, weil gleichzeitig mehrere andere Kirchen im Bau waren (Schwaz, Brixlegg, Rattenberg, Kundl).

Aus einer großen Zahl von verzeichneten Arbeitsschichten lässt sich schließen, dass der Bau rasche Fortschritte machte. So dürfte die Kirche bereits Ende 1488 im Rohbau bis zum Gewölbe emporgewachsen und das Presbyterium bereits eingewöbt sein, denn schon am St. Wolfgangstag dieses Jahres hielt der Pfarrer von Münster in der Kirche ein Hl. Amt. Auch der Bau des Turmes muss schon weit fortgeführt gewesen sein, weil ebenfalls im Jahre 1488 die Tritte für die Schneckenstiegen eintrafen und Lienhart Harrer im nämlichen Jahre die erste Glocke für das St. Wolfgangs- Gotteshaus im Gewichte von fünf Zentnern goss.

Trotzdem gingen in der Hagau die Steinmetzarbeiten immer noch weiter - so konnte Pfarrer Kneringer nachweisen, dass die Kirche schon anfänglich ganz eingedeckt worden war und zwar in rein gotischem Stil mit einem prächtigen gotischen Gewölbe und einem Rippenwerk aus Hagauer Marmor. Früher glaubte man, dass der Bau der Kirche nur bis zum Gewölbe aufgeführt worden sei und dann eingedeckt, weil wegen der reichlichen Verwendung von Marmor das Baugeld ausgegangen sei. Daher sei das heutige Gewölbe erst in einer späteren Zeit und in einem anderen Stil (Barock) ausgebaut worden.
Wahrscheinlich wurde das einstige gotische Rippenwerk in späteren Jahren bei einer notwendig gewordenen „Reparatur“ heruntergeschlagen und dann das heutige Barockgewölbe eingebaut.
Wann dieser „Umbau“ des gotischen Gewölbes stattgefunden hat, lässt sich nicht mehr nachweisen. Der Turm war urspünglich nur in der Höhe der Schallöffnungen aufgeführt und dann eingedeckt worden. Seine heutige Höhe erhielt er im Jahre 1650.

Der Hauptbau der Kirche dürfte wohl schon im Jahre 1500 vollendet gewesen sein. Darauf weist die Jahreszahl am Frontbogen (über dem Speisgitter) hin. Jedenfalls war die Kirche im Jahre 1508 gebrauchsfähig, weil dort die Erlaubnis erteilt wurde, in der Kirche das Hl. Sakrament aufzubewahren. Auch finden wir von dieser Zeit an ständig einen Priester in Jenbach.

Im Jahre 1551 wurde die Kanzel fertig gebaut, 1562 wurden zwei Sonnenuhren angebracht und drei Jahre später eine neue Fahne angeschafft. 1586 ist die Rede von der „mittleren Glokken“, also hingen bereits damals drei Glocken im Turm. Das Jahr 1597 brachte der Kirche eine richtige neue Turmuhr, welche der Meister Stephan Schurpein um 25 Gulden lieferte.
Daß in damaliger Zeit die Kirche bereits einige wertvolle liturgische Paramente und Geräte besaß, geht aus einem Verzeichnis von 1589 hervor.

Im Jahre 1602 wurden das Dach der Kirche erneuert und im nächsten Jahr das Langhaus neu gedeckt.
1605 wurde für die Prozession ein „Himmerl“ angeschafft, einige Jahre später verehrte der Hüttverweser (=Hüttverwalter) Martin Voglsanger der Kirche einen Kelch. Im Jahre 1642 fertigte Hans Stehr 36 neue Kirchenstühle.
1672 groß Johann Rippo, Stuck- und Glockengießer in München für die Kirche die frühere große Glocke im Gewichte von 1575 kg (24 Zentner) Ton „ES“. Diese und eine kleinere wurde am 27. August 1672 von Abt Gotthard Ziegler von St. Georgenberg geweiht.

Um diese Zeit die Umgestaltung des Gewölbes. Erst nach der Stiftung der Rosenkranzbruderschaft um das Jahr 1700 erfolgte dann die Ausschmückung des Plafonds mit Bildern, wahrscheinlich durch einen gewissen Meister Faistenberger.

Seit 1753 sind die Kirchenrechnungen wieder vollständig erhalten und melden uns folgendes:
Das Jahr 1753 brachte der Kirche ein „Hl. Grab“ und das folgende Jahr eine neue Orgel. 1758 wurde die Kirche neu „ausgeweist“! und 1777 bekam sie wieder einmal ein neues Dach. Inzwischen hatte Herr Josef Augustin Eyberger, Hüttverweser, mit seine Frau Anna Maria Voglsangerin einen neuen Kelch gespendet (1762). 1784 machte Meister Nagiller von Münster neue Kirchentüren, während fünf Jahre später der Brauereibesitzer Magginger neue Kirchenstühle machen ließ.
Das Jahr 1820 brachte der Kirche neue Kreuzwegbilder und eine neues Speisgitter.

Eine ganz große Restaurierung der Kirche geschah unter dem Kuraten Röder 1829/30. Alles wurde neu verputzt und gereinigt, selbst alle Marmorsäulen, außerdem wurden neue Altäre und eine neue Kanzel aufgestellt. Das Altarbild des Hochaltares stammt von Kunstmaler Alois Stadler in München und kostete 600 Gulden. Die Altarbilder der Seitenaltäre malte Professor Kaspar Jehlean. Auch eine neue Orgel wurde beschafft, welche ohne Fassung auf auf 690 Gulden zu stehen kam. Aus dem Jahre 1835 stammt die heute noch in Gebrauch stehende Kreuzgruppe für die Fastenzeit. 20 Jahre später (1855) goss der Jenbacher Glockengießer Dengg die frühere 11-Uhr-Glocke. Der unter Kurt Röder errichtete Hochaltar scheint nicht allgemeines Gefallen gefunden zu haben, denn etwa 30 Jahre später (1865) bekam die Kirche wieder einen neuen, von dem es in einem Zeitungsbericht von damals hieß, dass er die Freude und der Stolz der Gemeinde sei.

Es ist der gegenwärtitige Hochaltar, welcher unter Benützung des Altarbildes von Stadler in in gotischem Stil ausgeführt wurde, und zwar von den Meistern Larcher, Lener und Karl in Hall unter Aufsicht des kunstsinnigen Paters Bernhard Schöpf. Der Plan wurde von H. Markgraf in München entworfen.

Mehrere Jahrzehnte vergingen und wieder wurde eine Restaurierung nötig. Der kunstsinnige Pfarrer Halder erneuerte und verschönerte um die Jahrhundertwende das Innere des Gotteshauses. Bildhauer Egg schuf neue Seitenaltäre, neue Beichtstühle, neue Chorstühle und eine neue Kanzel. Ein Taufstein wurde aufgestellt, ein neues Speisgitter zwischen Presbyterium und Schiff eingebaut, das frühere war ganz vorne beim Altar. Die uralten Zunftstangen wurden wieder in der ursprünglichen Fassung hergestellt.

Das Jahr 1905 groß die Firma Graßmair in Innsbruck zwei neue Glocken mit dem Ton g und c. Zwei Jahre später wurde die neue große Orgel aufgestellt, gefertigt durch die Firma Behmann in Schwarzach, eine Stiftung des verstorbenen Schulleiters Glonner.

In den Jahren 1916 und 1917 fielen die alten Glocken dem Krieg zum Opfer - das alte Geläute bestand aus 5 Glocken:
1. Die „Große“ 1575 kg, Firma Rippo, München, 1673, Ton es1
2. Die „Zwölferin“, Firma Graßmair, Innsbruck, 1905, Ton g1
3. Die „Elferin“, Glockengießerei Dengg, Jenbach, 1855 , Ton b1
4 . Das „Sterbeglöcklein“, Fa . Graßmair, Innsbruck, 1905 , Ton c1
5 . Die „Kleine“ (gesprungen), Fa. Rippo ‚ München, 1673, Ton es2

Das neue Stahlgeläute von der Firma Böhler, Kapfenberg, besteht wieder aus 5 Glocken:
1. „Barbara“ 2.480 kg, Ton c1
2. „Josef“ 1.750 kg, Ton d1
3. „Maria Verkündigung“ 1.250 kg, Ton 31
4. „Notburga“ 755 kg, Ton g1
5. „Schutzengel“ 535 kg, Ton a1
Als große Wohltat erwies sich auch das in letzter Zeit installierte elektrische Läutwerk.

Hier noch einige Maße der Pfarrkirche: Die Länge der ganzen Kirche beträgt 36,5 m, davon entfallen auf das Presbyterium 14 Meter und auf das Schiff 22,5 m. Die Breite des Prebyteriums misst 9,5 m und die des Schiffes 12,5 m. Der Turm misst auf einer Breitseite 6 m.

Bildnachweis Tafel: Franz Fasser

Zeitkapsel

Im Rahmen der Ausschreibung „Kunst im öffentlichen Raum“ des Landes Tirol im Mai 2006 an alle Tiroler Gemeinden wurde eine fünfköpfige Künstlergruppe durch den damaligen Kulturausschuss-Obmann OSR Klaus Scharnagl mit einer Ideenfindung zur Einreichung beauftragt. Insgesamt sollten 100.000 Euro an Preisgeldern durch die Kulturabteilung des Landes Tirol ausgeschüttet werden.

Das damalige, noch etwas umfangreichere Projekt wurde durch die Marktgemeinde eingereicht, blieb allerdings ohne Prämierung. Der Gemeindeführung gefiel aber die Idee der „Zeitkapsel“ so gut, dass die Künstlergruppe im Jänner 2007 mit der Umsetzung betraut wurde. Als Standort wurde der sehr prominente Platz im Gemeindepark neben der Kirche, in deren goldener Kirchturmkugel sich ebenfalls eine Zeitkapsel befindet, gewählt.

Mit der Innsbrucker Lehrlingsausbildungsstelle IBIS-Acam wurde ein kompetenter Partner - unter der Leitung von Fachlehrer Helmut Mair - für die Umsetzung der Stahlarbeiten gefunden. Die Arbeiten begannen im Feber und gingen über mehrere Monate, sodass am 10. Oktober 2007 die Stahlskulptur auf dem vorbereiteten Fundament aufgesetzt werden konnte.
Der äußere Würfel mit einer Kantenlänge von 120 cm wurde in 10 mm starkem Corten-Stahl hergestellt, der innere Würfel, in welchem sich die befüllten Metall-Dosen befinden, aus 6 mm Stahlblech, ummantelt von 60 mm Steinwolle. Ein 30 cm breites, den Würfel umschließendes Stahlband aus 12 mm starkem Corten-Stahl bildet die symbolische Zeitspanne der 100 Jahre, welches vor Ort an den Würfel aufgeschweißt wurde.
Die Kanten der Zeitkapsel wurden exakt in Nord-Süd Richtung ausgerichtet und dieser in einer leichten Neigung Richtung Osten auf vier Stahlankern auf das Betonfundament verschraubt.

Die geplante Verschließung am 30. September 2007 wurde auf Grund des sehr schleppenden Absatzes der 1.000 bereitgestellten Metalldosen - welche in der Lehrlingswerkstätte der GE-Jenbacher von 1 bis 1.000 durchnummeriert wurden - schließlich über den Winter hinaus verschoben. Der endgültige Schließungstermin war dann unter großer Teilnahme aller anwesenden Dosenbesitzer und der Bevölkerung am frühen Nachmittag des 31. Mai 2008.
In der Jenbacher Chronik wurde dieses Ereignis mit dem Zusatz festgehalten, dass am 31. Mai 2108, also nach genau 100 Jahren, unsere Nachkommen die Zeitkapsel wieder öffnen sollen. Alle Doseninhaber sind auf einer Liste im Archiv der Marktgemeinde verzeichnet, sodass die Nachkommen schon im Vorfeld ihre Ahnen „aufspüren“ können.

Durch die Zeitspanne der 100 Jahre waren alle Teilnehmenden gefordert, über die eigene Lebensspanne hinauszudenken und sich darüber Gedanken zu machen, was wir an Menschen weitergeben wollen, die in 100 Jahren hier leben werden. Was diese dann vorfinden, hing von jedem einzelnen ab.
Der innere Stahlwürfel wurde an diesem 31. Mai mit 342 persönlichen Zeitzeugnissen gefüllt und anschließend der Deckel vom äußeren Stahlkubus rundum verschweißt.

Dieses Projekt der Marktgemeinde Jenbach unter dem damaligen Kulturausschussobmann GR OSR Klaus Scharnagl realisierten folgende Künstler: Andrea und Ralf Chvatal, Doris Knapp, Dr. Gabriela Proksch Bernabé und Wolfgang Wallner.

Bildnachweis Tafel: Ralf Chvatal

Schrotergut / Härergut / Nellenberger

Einer der ältesten Jenbacher Bauernhöfe ist das Anwesen der Geschwister Kirchler in der Schloß-Tratzbergstraße Nr. 15. Hausnamen dieses Gutes waren: „Schrotergut“, „Schroterhof“, „Härergut“, „Hiasengut“.
Das Gut bestand bereits im Jahre 1486. Beim Beschluß für Jenbach eine eigene Kirche zu bauen (1486) sowie beim Bau selbst tat sich der damalige Kirchprobst‚ Hans Schroter, rühmlich hervor.
Der Hausname „beim Schroter“ erinnert an eine Beschaftigung im Bergbau. Die ältesten Schroter waren auch Gewerken, d.h. Mitbesitzer des Bergwerkes. Dem genannten Hans Schroter folgte als Besitzer 1527 Leonhart Schroter nach. Von diesen Besitzern stammte der älteste Hausname „Schroterhaus“. Danach ging das Anwesen auf die in Jenbach ansässige Familie Härer über und so wurde das ehemalige Schrotergut nun auch „Härergut“ genannt. Die Härer waren anscheinend Facharbeiter beim Hüttenwerk in Jenbach.

Bereits 1484 goss Matthäus Härer von Jenbach für Wiesing drei Glocken. Eine davon befindet sich heute noch in Steinberg. In der Wiesinger Kirchenchronik ist über die alte Glocke zu lesen: „Die älteste unserer Glocken ist die zweitgrößte, welche mit „A“ stimmt. Sie trägt die jahreszahl 1484 sowie die Inschrift in roher Schrift und Sprache: „o rex glori effene cum pache anno tomini MCCCCLXXXviar - Matheis Herer gos mich“. Sie wiegt elf alte Zentner, das sind ca. 500 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 94 cm. Wegen eines Verbotes des Landeskonservatorates für Denkmalpflege durfte diese Glocke nicht eingeschmolzen werdden. Sie stand ein Jahr lang in der Wiesinger Kirche beim linken Seitenaltar und wurde 1924 für 22 Millionen Kronen nach Steinberg verkauft. Der Verkauf geschah knapp vor dem Höhepunkt der Inflation, der Betrag war danach nur noch einige tauend Schilling wert.

Aus einer Kirchenrechnung von 1488 geht hervor, dass ein Lienhart Härer für die neue Jenbacher Kirche die erste Glocke goss. Den ehemaligen Schroterhof übernahm Oswald Härer und nach ihm (1570) Hans Härer.

Das Härer- und Schrotergut erwarb nun die damals in Jenbach reich begüterte und weitverzweigte Familie Grießenböck. Um 1590 war Kaspar Grießenböck Besitzer, der auch das Mühllehen (das heutige Grießenböckgut) innehatte (+1609). Nachfolger wurde der Sohn Michael Grießenböck, dem ein eigenes Wappen verliehen wurde (Wappenbrief von 1627 im Besitze der Familie Grießenböck).
Bei der Güterteilung nach Michael Grießenböck erhielt das Schrotergut der Sohn Hans Grießenböck, dem auch das Huebengut (Simon-Aberl) gehörte (+1689). Erbe des Schrotergutes wurde nun der Sohn Balthasar Grießenböck.
Damals war das Gut mit 2.500 Gulden bewertet. Als Balthasar Grießenböck im Jahre 1728 starb, hinterließ er das Anwesen seinem Sohn Matthias. Von diesem Matthias Grießenböck (volkstümlich „Hias“) stammt sicher - zum Unterschied von den anderen vielen Grießenböck - der Hausname „beim Hiasen“ her (auf gleiche Weise entstanden auch andere Hausnamen, z.B. Wigl, Jochl, SimonAberl, Hansmichl).
Matthias Grießenböck übergab 1760 den Besitz seinem Sohn Balthasar Grießenbock. Eine Schätzung des Gutes einschließlich der Alpanteile Reth und Isshals ergab damals eine Bewertung von 4.285 Gulden. Balthasar Grießenböck starb 1799 und vererbte das Anwesen auf den Sohn Johann Grießenböck (+1819). Die Tochter des Verstorbenen, Marie Grießenböck, verehelichte sich 1834 mit Johann Moser, dem nachmaligen Besitzer des Hiasengutes.
Johann Moser bekleidete 1840 - 1842 auch das Amt eines Gemeindevorstehers. Unter ihm wurde auch das Haus erneuert, worauf die Jahreszahl 1869 am Dachgiebel hinweist . Von seinem Sohn Ludwig Moser ging im Jahre 1901 der Besitz auf die Familie Kirchler über.

Bildnachweis Tafel: Oben - Archiv Läugner, Mitte - Chronik Steinberg, Martin Reiter, Unten - Franz Fasser

Volksschule und Hauptschule

Das Gebäude der Volks- und Hauptschule wurde in den Jahren 1927/28 nach den Plänen von Clemens Holzmeister auf den ehemaligen „Zeindlfeldern“ (Familie Hofreiter) errichtet.

Bereits 1904, 1908 und 1912 gab es Bestrebungen für den Neubau eines Schulhauses, da das alte (das heutige Marktgemeindeamt) wegen der stetig steigenden Schülerzahlen immer wieder umgebaut werden musste. Diese Vorhaben wurden jedoch – zuletzt wegen des 1. Weltkrieges – nie umgesetzt. Wenn auch die wirtschaftliche Lage in den Jahren nach dem Krieg nicht gerade rosig war, so lieferte der Bau des Achenseekraftwerkes, der 1924 begonnen wurde, einen wichtigen Impuls, die lange gehegten Pläne endlich zu verwirklichen. Am 30. März 1925 begann man seitens Gemeinde mit Verhandlungen, die in die Realisierung des Vorhabens münden sollten.

Der damalige Schuldirektor Martin Fügenschuh brachte am 13. März 1925 die Wünsche der Lehrerschaft zu Papier (Auszug): „Der Schulbau möge möglichst rasch entstehen und füge sich harmonisch dem Ortsbild ein! Er sei nicht zu nahe an der Straße!“ (Anmerkung: Auf den Originalplänen von Clemens Holzmeister war der Bau weiter nördlich positioniert und mit einer großzügigen Grünanlage nach Süden hin vorgesehen). […] „Inneneinrichtung: In sämtlichen Klassen ein schönes Kruzifix, moderne Bänke (mit zweckmäßigen Tintengläsern), Podium groß genug (nach der ganzen Breitseite), moderne Schultafeln in genügender Anzahl, das Pult eben (nach Art eines Schreibtisches), in jeder Klasse 1 Kasten und 1 Experimentiertischchen, 1 Waschbecken, 1 Schulglocke, - .“

Im Jahr 1961 wurde die Fassade erneuert und die öffentliche Toilettenanlage auf der Westseite gebaut. Im selben Jahr gestaltete der akademische Maler Erich Stockhammer aus Jenbach den Südwestteil der Fassade mit einem großflächigen Sgraffito-Bild. 1967/68 wurde auf der Westseite des Turnsaales der Musikpavillion errichtet, der 1995/96 wieder abgebrochen wurde, da er dem Neubau eines zweiten, zeitgemäßeren Turnsaales weichen musste. Gleichzeitig unterzog man das gesamte Schulgebäude einer Innenrenovierung. Das Dach war bereits in den 70er Jahren erneuert worden.

Im Sommer 2020 wurden Internetkabel verlegt.

Bildnachweis Tafel: Oben - Archiv Museum, Mitte - Walter Felkel, Unten - Franz Fasser

Gemeindehaus

Das „alte Schulhaus“, heute Marktgemeindeamt, wurde 1854 erbaut und zwar auf der sogenannten „Widenpoint“, einem Kirchengrund. Die Kosten betrugen 7.000 Gulden. Hauptwohltäter war der bischöfliche Mensalverwalter Martin Millauer in Brixen, ein gebürtiger Jenbacher. Das Hüttwerk stellte zum Bau Schlackensteine bei, den Plan entwarf Hüttverwalter Anton Bacher - er sah eine Knaben- und eine Mädchenklasse vor. Für die Mädchen wurde eine Lehrenin bestellt, die vom damaligen k. k. Hüttenamt 40 Gulden und aus einem Legat 32 Gulden Jahreslöhnung bezog.

1889 wurde das Haus, das dann auch Lehrer-, Lehrerinnen- und Meßnerwohnung enthielt, um einen Stock erhöht. Mit der Eröffnung einer dritten Schulklasse erwies sich das Schulhaus erneut zu klein, sodass 1891 wiederum aufgestockt werden musste.

Bis 1911 unterrichteten Schulschwestern, im Jahr 1920 gab es bereits sieben Klassen. Das Schulhaus war längst wieder zu klein und man dachte schon vor dem Ersten Weltkrieg an einen Neubau, aber erst 1927/28 war es soweit.

Nach dem Bau der neuen Volks- und Hauptschule - um die Kosten dafür abzudecken, musste sogar das alte Schulhaus vorerst verpfändet werden - wurde das Haus gründlich renoviert und umgebaut, die Gemeindekanzlei und Gendarmerie dort untergebracht und im Erdgeschoß ein Lichtspieltheater errichtet. Laut Servitut hat auch der Pfarrmeßner im Hause seine Wohnung.
Nach der Übersiedlung der Gendarmerie in die neue Einsatzzentrale in der Tratzbegstraße wurde das Marktgemeindeamt renoviert, umgebaut und 1994 neu in Betrieb genommen.

Bildnachweis Tafel: Oben - Otto Pfund, Unten - Maria Keiler

Mühllehen / Grießenböckhaus

Im Regierungsarchiv in Innsbruck befindet sich eine Steuerliste vom Jahre 1313. In dieser Liste sind von Jenbach nur ganz wenige Besitzer angeführt und zwar unter den Steuerpflichtigen der Gemeinde Wiesing, denn Jenbach war damals noch keine selbständige Gemeinde .
Unter den wenigen Gütern von Jenbach erscheint bereits das Mühllehen, so hieß damals das heutige Grießenböckgut in der Schloß-Tratzbergstraße Nr. 8. Später findet sich für diesen Hof auch die Bezeichnung „Mühllechnergut“.

Eine der ältesten Bewohnerinnen dürfte „Irmgart ab dem Mühllehen“ sein, nach ihr finden sich als Besitzer z. B. „Chunrat Prem vom Mühllehen“ (1363), und “Heinrich der Wesch“ vom Mühllehen“ (1376) . In einem Güterverzeichnis des Stiftes Frauenwörth am Chiemsee ist das Mühllehen in Jenbach ebenfalls angeführt, welches unter der Grundherrschaft dieses Klosters stand und demselben um 1380 verschiedene Dienste zu leisten hatte.

Der Name Mühllehen kommt wohl von der zum Gut gehörigen uralten Mühle, die am Bach an der Stelle des heutigen Esterhammerhauses stand. Auch eine alte Schmiede in der heutigen Achenseestraße gehörte zum Mühllechnergut.
Als die aufstrebende Gemeinde Jenbach im Jahre 1486 daran ging, sich ein eigenes Gotteshaus zu bauen - die Jenbacher hatten zu dieser Zeit ihre Pfarrkirche in Münster - war es unter anderen besonders „der Mühllechner“, welcher sich um den Bau große Verdienste erwarb. Ein Mühllechner, der nach dem Patron der neuen Kirche den Namen Wolfgang hatte, ist im Jahre 1527 als Besitzer verzeichnet.
Nach ihm ging das alte Mühllechnergut in den Besitz der Familie Grießenböck über, die demnach die weitaus älteste Familie ist, die sich bis heute hier erhalten hat.
Der erste Besitzer dieses Namens auf dem heutigen Grießenböckgute war ein Hans Grießenböck, genannt der Mühllechner. Ihm folgte um 1587 der Schmiedmeister Kaspar Grießenböck, welcher auch das heutige Kirchleranwesen (Schloß-Tratzbergstraße 15) besaß.
Sein Nachfolger wurde 1608 Michael Grießenböck, ein sehr angesehener Bauer und Schmiedmeister, der durch die Verleihung eines eigenen Wappens ausgezeichnet wurde.

Erzherzog Leopold verlieh im Jahre 1627 dieses Wappen, wie es in dem, im Besitze der Familie Grießenböck befindlichen Wappenbriefe heißt, „dem getreuen Michael und seinen beiden Vettern Samson und Hans den Grießenpöcken und all ihren Leibeserben... angesehen der Ehrbarkeit, guten Sitten, Tugend und Vernunft“. Das Hauptbild des Wappenschildes stellt dar: „Ein weißes Griess in Gestalt eines sich verlierenden Berges und einen aufsteigenden Steinbock mit offenem Maul und rot aufgeschlagener Zunge“.

Aus einer kurzen Bemerkung im Verfachbuch des Gerichtes Rottenburg vom Jahre 1636, worin von „einer leidigen Brunst zu Jenbach bei dem Michael Grießenpöck“ die Rede ist, kann man schließen, dass das Haus unter dem damalige Besitzer von einem Brandunglück heimgesucht wurde. An den Wiederaufbau erinnert wohl die Jahreszahl 1637 und die Anfangsbuchstaben M G am Dachgiebel.
Michael Grießenböck starb 1644, sein Erbe Balthasar lebte hier bis 1693. Dann folgte wieder ein Michael Grießenböck (+1728) und auf diesen sein Sohn Anton Grießenböck, welcher 1797 im hohen Alter von 82 Jahren starb. Der Wert des Gutes wurde damals auf 4.600 Gulden geschätzt.
Erbe wurde der Sohn Michael Grießenböck, der zugleich das Amt eines Gerichtskassiers versah.
Vom „guten Rufe“ des Hauses Grießenböck zeugt auch die Tatsache, daß z. B. eine Dienstmagd namens Gertraud Kinkin von Eben durch volle 58 Jahre ununterbrochen in diesem Hause bedienstet war (laut Sterbebuch vom Jahre 1806).
1821 übernahm den Besitz Anton Grießenböck, der aber bereits 1847 starb. Der nächste Besitzer Johann Grießenböck (1847-1894 ) war zugleich Bauer beim Sigl in der Schalserstraße. Ihm folgte der Gutsbesitzer Josef Grießenböck, welcher am Hause verschiedene Umbauten (Stall, Stadel ) vornahm uns sich um Gemeinde und Kirche (langjähriger Kirchenprobst) reiche Verdienste erwarb
+1931) .
Sein Sohn und Erbe Alois Grießenböck starb bereits im Jahre 1933 im jugendlichen Alter und hinterließ seinen Sohn Seppl als Stammhalter.

Bildnachweis Tafel: Franz Fasser

Tiergartenmauer

1572 erbaute der jagdfreudige Tiroler Landesfürst Ferdinand II, der sich oft mit seiner Gemahlin Philippine Welser im Schloss Rotholz aufhielt, eine Mauer rund um den bewaldeten Höhenzug südwestlich von Wiesing. Diese Mauer sollte einen Tiergarten umfassen, der zu Jagdzwecken angelegt wurde und deshalb reichlich mit Wild besetzt war. Hirsche und Rehe, aber auch Steinböcke wurden eingesetzt. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Ringmauer gut erhalten, seither ist sie an vielen Stellen zerfallen.
Der ursprüngliche Verlauf der Tiergartenmauer - der gesamte Hügel wird auch heute noch „Tiergarten“ genannt - ist großteils bekannt, jedoch sind bis heute nur mehr abschnittsweise größere Teile der Mauer erhalten geblieben. Die Mauer war insgesamt 3,5 km lang, vermutlich maximal 3 m hoch und 50 cm stark, aus Kalksteinen errichtet und in den abschüssigeren Geländebereichen an der Außenseite mit angestellten Pfeilern gestützt.

Eine alte Landkarte von Hilarius Duvivier aus dem Jahr 1611, die sich im Besitz der Familie von Hofrat von Inama in Lichtwehr befindet, zeigt noch einen zweiten „Tier­garten“, nördlich des oben genannten in der Richtung nach Burgeck nördlich von Jenbach. Dessen Umfassung bestand aber nur aus Holzplanken, so dass wir hier seine Grenzen nicht mehr genau kennen.

Der am besten erhaltene Abschnitt der Tiergartenmauer entlang des Wanderweges zwischen Jenbach und Wiesing wurde von 2008 bis 2011 in mehreren Schritten restauriert und statisch gesichert.

Bildnachweis Tafel: Tiroler Landesarchiv